Donnerstag, 29. September 2016

"Sorge dich nicht, zahle!" - Die High Definition der Abhängigkeit

Ist es nicht schon aberwitzig, dass wir uns an immer mehr unnötige Dinge gewöhnen und auch noch regelmäßig dafür bezahlen?
So ist der Verfasser dieser Zeilen stolzer Besitzer zweier HD Plus-Receiver, einen für das Wohnzimmer und einen für sein eigenes kleines Reich. Dort steht ein Fernseher, der fast ausschließlich für den Zeitraum der Sportschau am Samstag genutzt wird und ansonsten höchstens mit dem DVD-Player korrespondiert.
Beim Kauf der Receiver war jeweils eine HD Plus Karte inkludiert.
Also erfreute ich mich, für den spärlichen Zeitraum der Nutzung, an einer ziemlich guten Bildqualität.

Nach einem Jahr blieben dann plötzlich die Bildschirme schwarz und ein Hinweistext forderte auf, die HD Plus Karte zu verlängern. Entweder über das Internet oder eine Service-Telefonnummer.
Gebeutelt durch unzählige unbefriedigende Fernsprech-Service-Erfahrungen, wählte ich also die Webseite und erfuhr zunächst, dass es sinnvoll wäre, besagte Karten mit Kartennummern und Pincode anzumelden. Gesagt, getippt.
Beide Karten waren also registriert und ich konnte zum Kern kommen.
Die Verlängerung.
Nun erfuhr ich, dass ebendiese natürlich ihren Preis haben sollte.
Ganze 60 Euro solle man im Jahr dafür berappen, um nicht auf seine lieb gewonnene Bildqualität verzichten zu müssen.
Nach der ersten Fassungslosigkeit musste eine Alternative her.
Die war scheinbar schnell gefunden, denn natürlich kann man weiterhin alle Fernsehsender auch ohne High Definition Plus-Qualität empfangen. Allerdings ließ mich das Gefühl nicht los, dass sich nun unsere Receiver nicht mehr besonders viel Mühe gaben, um ein anschauliches Ergebnis auf den Bildschirm zu zaubern.
Einerseits will man ja nichts unterstellen, aber andererseits sind einem schon so gewisse technische Möglichkeiten zu Ohren gekommen…

So machen sie es heute, mit dem Abhängigkeits-Prinzip:
Man kauft dann einen Receiver samt der HD Plus Karte für über 100 Euro, darf es sich ein Jahr lang scheinbar umsonst in der Komfortzone gemütlich machen und soll dann jährlich schön weiter bezahlen, damit es bloß nicht ungemütlicher wird. Und das in meinem Fall mal zwei.
Alles natürlich unabhängig davon, dass die Fähigkeiten der Geräte in spätestens drei Jahren durch den technischen Fortschritt pulverisiert sein dürften.
Das ist ungefähr so, als kaufte man einen schnellen Sportwagen und müsste jedes Jahr eine Gebühr dafür bezahlen, dass man schneller als 100 Stundenkilometer fahren darf.
Mit dieser Entwicklung rechne ich übrigens in ganz naher Zukunft.
VW arbeitet vielleicht schon an dieser Software.

Ich für meinen Teil bin der Forderung meines Receivers nicht nachgekommen, habe aber dennoch eine Lösung gefunden: Meine Augen sind jetzt nämlich in einem Alter, in dem man sich einfach nur zwei bis drei Meter weiter weg vom Fernseher setzen muss, um seine ganz eigene High Definition zu haben.




Im Leben sollte es keine Abhängigkeiten geben, außer vielleicht...



Samstag, 10. September 2016

Ganz altes Tennis



Ich habe gestern zwei ältere Damen belauschen müssen, die in meiner unmittelbaren Nähe ein lautes Gespräch über Tennis führten.

„Du, die Kerber ist ja jetzt im Finale, ne.“

„Jau, die hat gewonnen. Aber die Gegnerin hat die Serena Williams auch weggefegt. 
Ich weiß nicht, ob die Kerber die auch packt.“

„Aber jetzt isse dann schon Platz eins. Die erste seit der Steffi.“

„Ja, aber mit der Steffi, da kommt die nich´ dran. 
Guck mal, die hat ja schon mit zwölf, dreizehn damals angefangen, mit ihrem Vater.
Und dann jahrelang immer auf der eins. Das ist schon was ganz anderes.
Da muss erstmal einer drankommen.“

„Ja, das war noch was. Auch der Boris Becker damals. Das waren ja noch Spieler.“

„Der trainiert ja jetzt den einen Jugoslawen da, Dirkowitsch, oder wie der heißt. 
Der spielt ganz gut. Das hätte der Becker mal schon früher machen sollen, anstatt 
den ganzen anderen Quatsch da.
„Autohausbesitzer“, so ein Blödsinn. Und dann auch noch im Osten. 
Wer kann sich denn da solche Autos leisten, die der Becker da verkauft hat. 
Das kann doch nur in die Hose gehen.“

„Ja, und wie der heute aussieht. So einen richtigen Fresskopp hat der gekriegt.“

„Und zwei neue Hüften auch. Kannste mal sehen, bringt dir gesundheitlich alles nix.
Weder das Tennis, noch die Kohle die man damit verdienen kann..“


Ich sah ein: wir sind und bleiben eine Tennis-Nation...


Anyone for Tennis - Cream



Montag, 5. September 2016

Das erste Mal tat´s noch weh... in Mecklenburg-Vorpommern.

Liebe Erstwähler in Mecklenburg-Vorpommern!

Ihr habt es geschafft, ihr habt das erste Mal bei einer Wahl euer Kreuz gemacht.
Ich finde das gut, wirklich. In Deutschland können wir dieses demokratische Recht wahrnehmen, müssen keinen König oder eine Militärdiktatur bestätigen, sondern dürfen frei wählen.
Viele von euch hätten das schon oft machen können, aber ihr seid gestern in die Wahlkabinen gezogen.
Und wie gesagt, ich finde das wirklich gut.

Aber, mal ehrlich: Das erste Mal wählen ist doch irgendwie wie der erste Sex, oder?
Ich meine, der ist doch eigentlich auch nie richtig gut.
Und mit der oder dem Ersten bleibt doch auch keiner zusammen.
Weil eine richtige Beziehung nämlich erst danach beginnt. Und dann merkt man schnell, dass die Substanz fehlt. Beim Partner und bei einem selbst. Es ging halt nur um den Sex.
Man braucht eben ein bisschen Erfahrung, muss Sachen ausprobieren, die Augen offen halten um den richtigen Partner finden, der einen nach dem Körperlichen auch noch interessiert und für den man auch interessant bleibt.
Nur schnelle und laute Nummern bringen uns auf Dauer nicht weiter.

Witzigerweise sind meist die Leute ein Leben lang zusammen, die sich am Anfang gar nicht mal leiden konnten. Es ist eben viel möglich, wenn man offen durch die Welt geht und sich kennen lernt.
Eure erste Wahl ist vorbei und nach viel Jubel und der Zigarette danach beginnt jetzt der Alltag. 
Guckt doch einfach mal, ob der euch auch gefällt, oder ob es nicht Möglichkeiten gibt, die besser zu euch passen.
Andere Parteien haben auch Programme, oder wenigsten überhaupt eines. Und bei einem davon findet ihr vielleicht sogar mehr als einen oder zwei Punkte, mit denen ihr übereinstimmt. Ich würde sogar darauf wetten.
Versucht es einfach mal, traut euch. Da draußen findet sich sicher etwas Besseres.

Geht weiter wählen – auch wenn das erste Mal daneben ging...







Dieser Clip ist aus dem Jahr 1990, als es in Mecklenburg-Vorpommern noch ganz anders aussah...




Donnerstag, 28. Juli 2016

Von Boy-Toys und Sugar-Daddys


Ein Phänomen unserer immer altersloser werdenden Gesellschaft ist das Paarverhalten diametral gegensätzlicher Altersgruppen und seine allgemeine Akzeptanz.
Hat man sich früher mit seinem Lebenspartner noch ein erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gute Seite des sauer ersparten Doppelgrabes geliefert, so findet man heute immer mehr „Seelenverwandte“, bei denen klar ist, dass einer der beiden demnächst auf natürliche Weise das Schaufel-Derby für sich entscheiden wird – und zwar mit mehreren Längen Vorsprung.
Im Regalfall ist es ja der Mann, der sich denkt: Ich kneife den Arsch so oder so eher zu, dann kann ich mir ja auch eine junge Frau suchen, mit der man zusammen alt werden kann – also bis sie 25 ist, jedenfalls. Besonders verbreitet und akzeptiert ist diese Praxis bei sogenannten „Prominenten“.
Sobald die Ehefrau-Version 1.0 eine unübersehbare Patina angesetzt hat, die sich auch operativ nicht mehr zurechtmetzgern lässt, zieht der, von Natur aus weiterhin begehrenswerte Grandseigneur schnell eine Zell-Erneuerung für Tisch, Bett und Blitzlichtgewitter in Betracht.
Diese ist auch schnell gefunden, denn jeder Großstadt-Disco-Kontakthof hält allabendlich williges Casting-Material für genauso diesen Zweck bereit.

Junge Frauen, für die das Erfolgsmodell „Promi-Sterbebetreuung“ oft die einzige Möglichkeit zum sozialen Aufstieg ist. Ihr Ziel ist klar definiert: Lieber der Q8 als Hartz 4.
Oder um es mit dem leicht abgewandelten Songtitel des alten Joy-Flemming-Hits zu sagen: „Ein Glied kann eine Brücke sein.“ Wenn die Nachwuchsfrau Glück hat, handelt es bereits um eine Hängebrücke. Und wenn nicht, egal, denn natürlich ist es Liebe und was machen da schon 35 Jahre Altersunterschied? Am Ende des Weges winkt neben dem Nachlass auch noch der „Simone-Rethel-Gedächtnis-Preis“.

Die Penispumpe des Silberrückens

Wie heißt es so schön:„Liebe macht blind“ und man möchte ergänzen: selbst dann, wenn die Nase bereits den Verwesungsgeruch wittert. Aufreizend schnell haben die jungen Dinger ihr neues Konto ohne Limit ins Herz geschlossen und nehmen es dafür auch in Kauf, von ihrem Silberrücken einmal die Woche in die Liebsschaukel eingespannt zu werden. Andere Bewegungsmuster der zielführenden Erotik verbietet die Konstitution der Körper-Ruine, aber selbst so keucht der heißgelaufene Bronchosaurus lauter, als selbst die Stadtmauern von Jericho es vertragen hätten.
Wenn es der angehenden Schmuck-Designerin mal zu bunt wird, hat sie immer noch die Möglichkeit, seine Penispumpe zu sabotieren oder die Viagra mit Schlafmittel zu strecken.
Das wirklich alle Schamgrenzen gefallen sind, zeigt die Tatsache, dass auch eine abgewetzte Ledertasche wie Peter Maffay noch den Modellwechsel schaffen kann, hin zu einem Geschoss, das nur unwesendlich älter ist als das Motorrad, das er sonst besteigt.
Man kann natürlich auch das Pech haben wie RTL2-Millionär Robert Geissen und muss seinen falschblonden Ehehobel bis zum bitteren Ende fahren. Und das, obwohl deren Lichtmaschine schon längst dem Kabelfraß anheim gefallen ist.

Anbaggern oder Sitzplatz anbieten?

Aber selbst wenn „das“ Carmen sich mal von ihrem Corega-Tabs-Fetischisten trennen würde, müsste sie dank ihrer Abfindung auch nicht auf Ersatz von der Frischfleischtheke verzichten. 
„Boy Toy“ ist da das Zauberwort.
Einen Boy Toy muss man sich vorstellen wie einen Vibrator mit eigenem Blutkreislauf.  
Eine prominente Frau, die ein ziemlich schiefes Lied über diese Art Jungmänner singen kann, ist Madonna, die schon länger als eine Art Ausbildungsbetrieb für juvenile Wechseljahresbegleiter gilt.
Ein wenig muss sich das konservative Auge noch daran gewöhnen, dass ein Jüngling sich verliebt an der Seite einer Frau zeigt, deren Altersklasse ihn normalerweise den Sitzplatz im Bus räumen lässt.
„Was den Mädels recht ist, mach ich in billig“, denkt sich der Trombosen-Torrero und lässt sich willig mit Klamotten einkleiden, die stets farblich auf die Nobel-Handtaschen seines Vintage-Weibchens abgestimmt sind.
Für diese männliche Version der Frischzellenkur hat man also mit „Boy Toy“ einen knuffigen Anglizismus gefunden, der auch gleichsam als Arbeitsplatzbeschreibung zu verstehen ist.

Ob die männliche Ausgabe der Bling-Bling-Lolita die gleiche Ausdauer an den Tag legen wird wie ihr weibliches Pendant muss abgewartet werden. Bis jetzt ist meines Wissens noch nie einer über den Status des Menopausenclowns hinweg gekommen und hat es bis zum bitteren Ende durchgezogen, was wohl daran liegt, dass man sich als alternde Diva mit Hilfe eines weitaus wichtigeren Mannes, nämlich des Chirurgen, oder wenn man so will, ihres Toy Boys dank Silikon und Botox zu konservieren weiß.


Nein, kein Song von Madonna, obwohl die Verlockung groß war...

Freitag, 8. Juli 2016

„Kaputt, kaputt, kaputt – das Spiel ist kaputt!“


Glückwunsch, die Franzosen stehen also im Finale ihrer EM – 
mit zwei echten Torchancen in 90 Minuten.
Ein Handelfmeter, den man sicher geben kann, keine Frage. Nur dann dürften sich die Schiris eigentlich bei jeder Ecke die Lunge aus dem Hals pusten und schon mal sporadisch auf den Punkt zeigen, weil irgendwas ist ja immer nicht ganz sauber.

Beim zweiten Tor sind dann nicht nur Neuer so aus wie ein Orchestermusiker, der bei seinem einzigen Beckenschlag am Abend den Einsatz ganz knapp verpasst.
So was passiert eben.
Das wirklich Bittere: Die deutsche Mannschaft hat ein richtig gutes Spiel gemacht, vielleicht sogar das beste des Turniers, wie Toni Kroos meinte. So ein Spiel darfst du eigentlich nicht verlieren. 
Was war also das Problem? Zu viele Ausfälle? Bei unserer Bank, nein. Chancen nicht genutzt? 
Liegt bei null Toren im Spiel auf der Hand.
Das wirkliche Problem wird schon das ganze Turnier über klar: Das Spiel ist kaputt.

Rückblende.
Erinnern wir uns mal an das EM-Turnier in Portugal vor 12 Jahren.
Spätestens nach dem 9er-Riegel der Franzosen gestern sind Ottos EM-Griechen von 2004 mehr als rehabilitiert. Was hat man damals auf die Defensivtaktik von Rehakles geschimpft und bewundert heute zwei Viererketten, die sich perfekt vor dem eigenen 16er verschieben
und erstmal nix anderes vorhaben als ein Fußballspiel zu verhindern. Moderne Spielweise, heißt es heute.
Die Folge ist aber Schablonenfußball á la Guardiola: Ballbesitz, Ballsicherung, Passsicherheit, Zuspiele im Dreieck. Verhindern, verhindern, verhindern anstatt zu riskieren.
Wäre der heutige Fußball eine Trinkspielvorlage, bei der man zu jedem Querpass einen Kurzen vernichten müsste, würden selbst Voll-Alkoholiker den Anstoß zur zweiten Halbzeit selten erleben.

Nur noch 9 gegen 9 -  Warum nicht?

Mal ehrlich, eine Sportart, deren Erfolg mittlerweile in einer dämlichen Einheit wie Packing errechnet wird, soll unser Herz erreichen? Nicht wirklich.
Man will jetzt nicht mit der Vergangenheit kommen, denn da gab es auch ganz gruselige Taktiken. Und die Zeit eines Horst Hrubesch ist nun mal vorbei.
Tatsache ist aber, das man sich heute noch an ihn erinnert und sich sicher sein kann, dass damals bei jedem Ball die Naht auf Spannung ging, wenn er in die Nähe von Hottes Birne geriet.

Heute ist der Stürmer eine aussterbende Spezies und gilt als wunderbares Beispiel dafür, dass Integration ins Mittelfeld funktioniert. Tore schießt man aber nun mal vorne.
Müssen wir wirklich unseren Kindern erzählen wie früher mal Fußball gespielt wurde, so mit
Stürmer und Abseitsfalle, damit diese Tradition wieder auflebt? Das wäre schade.
Wir könnten den athletischsten Fußball aller Zeiten erleben und bekommen leider zu oft nur den taktischsten zu sehen. Und das macht einfach keinen Spaß mehr.

Wenn das so weitergeht, dann muss man sich Änderungen überlegen.
Vielleicht nur noch 9 gegen 9 oder das Abseits abschaffen.
Sonst kann man sich als Fußballprofi gleich verbeamten lassen.

Oder, ihr macht das Spiel wieder heile, ihr Guardiolas und Tuchels, ihr Murinhos und Ancelottis.
Wie?
Geht´s raus und lasst´s Fußball spielen…


War früher der Fußball besser? Na, ganz früher wohl nicht...


Freitag, 17. Juni 2016

Neue Märchen braucht das Land!


Was hat man uns nicht alles schon für Märchen erzählt.
Ich meine damit jetzt aber nicht das von den „blühenden Landschaften“, das wir in den 90ern hörten oder das von Saddams Atomwaffen 20 Jahre später und auch nicht mein aktuelles Lieblingsmärchen: Das von der schwarzen Null.
 
Nein, ich meine die richtigen Märchen. Prinzessin, Königssohn, böse Stiefmutter, Hexe, Zwerge - diese Oldschooldinger, die Kindern ja auch immer den Sinn von Gut und Böse vermitteln sollten und die schon zu Grimms Zeiten so altmodisch waren, das die Brüder sie erstmal für ihre Sammlung aufpolieren mussten.
Aber seitdem hat auch keiner mehr was an den alten Märchen verändert. Sie werden noch genauso wortgetreu erzählt wie vor 200 Jahren.

Ich verstehe nicht, warum Märchen zeitlos sein sollten. Wenn sie Kinder wirklich etwas vermitteln wollen, dann müsste man sie doch ein wenig aktualisieren. „Pimp mein Märchen“, sozusagen.
Als ich meiner Tochter einmal Rotkäppchen vorlas, hatte ich genau diesen Gedanken und es überkam mich einfach beim Lesen.
Wir waren and der Stelle angelangt, in der Rotkäppchen den als Großmutter verkleideten Wolf fragt.
Also las ich vor:
»Großmutter, warum hast du so ein entsetzlich großes Maul?«
„Damit  ich dich besser fressen kann.«
Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang das arme Rotkäppchen mit Haut und Haaren.
Ende.
Und damit schlug ich das Buch zu.

Meiner Meinung nach wäre durch diese Kürzung der pädagogische Ansatz des Textes voll erfüllt. Geh nicht vom Weg ab und sprich nicht mit Fremden – oder Wölfen.
Meine Tochter konnte meiner Absicht leider noch nicht ganz folgen – sie war drei und fing fürchterlich an zu weinen. Aber trotzdem bin ich mir sicher, dass man die Märchen heute auch anders erzählen kann, ja sogar muss.

Jetzt mal ehrlich, ein Happy End hat doch noch kein Kind aufs Leben vorbereitet, oder?
Allein schon der Satz: „Und sie lebten zusammen glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ enthält doch schon zwei dicke Lügen: Zusammen und glücklich! Damit überzeugt man eben kein Scheidungskind.  
Die neue Abschlussformel könnte lauten:
„Beide waren sie an diesem Tage glücklich und rauften sich zusammen bis ans Ende ihrer restlichen Tage, von denen es eine Reihe ziemlich gute und eine Reihe ziemlich schlechte und überwiegend durchschnittliche gegeben hat."
So lässt man die Kinder auch später nicht sehenden Auges ins Unheil rennen.

Die Bremer Stadtmusikanten vs DSDS

Gut, natürlich sollen Märchen auch die kindliche Phantasie anregen, klar.
Mit ein klein wenig Modifikation, etwas Weglassen oder auch etwas Hinzufügen könnte man aber
eine wunderbare Balance zwischen Phantasie und Realität herstellen.
Nehmen wir doch zum Beispiel mal die Bremer Stadtmusikanten.
Klar ist es schön wie das Märchen den Teamgeist beschwört, das man auch als Esel, Hund, Katze und Hahn, oder anders gesagt mit verschiedenen Migrationshintergründen zusammen eine Horde Verbrecher in die Flucht schlagen kann und so weiter und so fort.
Aber um der Realität Genüge zu tun, müsste man auch konsequent weitererzählen, dass die Mitglieder dieser tierischen Band  fortan ihr Dasein als Hartz-4ler fristen mussten, weil sie von ihrer Musik alleine natürlich nicht leben konnten.
Das ist der nötige Schuss Realität in der Geschichte und würde vielleicht auch den Casting-Show-Wahn etwas eindämmen.

Man könnte Schneewittchen mal auf den neuesten, technischen Stand bringen, und so subtil und früh schon auf die Gefahren des Internets hinzuweisen.
„Smartphone, Smartphone in der Hand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“, fragt da die Königin.
Und Siri antwortet: “Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier. Aber Schneewittchen hat auf Instagram 1000mal mehr Follower als Ihr.“
Daraufhin wird die Königin so eifersüchtig, dass sie Schneewittschens Account lahmlegt – und zwar mit ihrem Apple.

Ein anderes berühmtes Märchen könnte dazu dienen, die Geschlechtergrenzen niederzureißen.
Rapunzel wäre nämlich ein wunderbares Beispiel für die Gleichstellung von Mann und Frau, wenn der Zauberin auf ihr Bitten hin plötzlich ein 12 Meter langer blonder Hipsterbart aus dem Turm geworfen würde. „Rapunzer, Rapunzer, lass Deinen Bart herunter.“
Dann hätte auch der Gender Mainstream irgendwann eine Chance. 

Aber, wir sollten nicht nur an den alten Märchen herumschrauben, sondern auch jüngere Kindergeschichten nutzen, um unseren Kindern das Leben leichter zu machen – und das im wahrsten Sinne des Wortes
So ist „Die Geschichte von der kleinen Raupe Nimmersatt“ eigentlich eine perfekte Diät-Anleitung für das adipöse Kind. Aber natürlich nur, wenn man die Geschichte auch von hinten nach vorne liest.
„Und sie lebten schlank und glücklich bis ans Ende ihrer Tage.“


"Es war einmal...", so fangen sie ja an, die Märchen... Auf englisch: Once upon a time...


Dienstag, 31. Mai 2016

Milch macht müde Mercedesse munter!


In Zeiten der ökonomischen und ökologischen Krisen gilt es neue Wege zu gehen.
Das Öl wird knapp, das Geld ist es schon und Mutter Natur steht durch Raubbau und CO2-Ausstoß kurz vor der Null-Linie.
Auf der anderen Seite schütten erboste Milchbauern das Erzeugnis ihrer vierbeinigen Lebensgrundlage in den Gulli, weil das günstiger ist, als es in den Handel zu bringen.
Dabei gäbe es für all diese Probleme doch eine perfekte Lösung.

Milch statt Benzin!

Unsere Forscher sollten sich weniger mit dem Zumüllen des Alls beschäftigen, sondern vielleicht mal damit, wie man aus diesem natürlich nachfließenden Rohstoff einen Kraftstoff machen kann.
Der Milchpreis könnte konstant auf 80 Cent verbleiben. Kein unerwarteter Beschaffungspreisanstieg vor den Feiertagen, kein kollektives „Montagstanken“ mehr.
Die Teuerungsrate der Müslimilch wird locker durch den günstigen Kraftstoffpreis aufgefangen.
Quatschprodukte wie die „Milchschnitte“ würden als netter Nebeneffekt wohl ganz vom Markt verschwinden.

Man stelle sich vor, dass unsere Luft nicht mehr nach dem Vorhof der Hölle riecht, sondern nach Vanille-Milchshakes.
Und nicht nur Autofahrer und Bauer könnten dann aufatmen.
Die Wertschätzung für das gemeine Rindvieh würde überall auf der Welt hinduistische Ausmaße annehmen.
Die Wiederkäuer würden wieder eines natürlichen Todes, nämlich an Altersschwäche, sterben.
Unser aller Fleischkonsum würde auf ein verträglicheres Maß schrumpfen.

Der Preis für ein Tier würde extrem in die Höhe schnellen, um eine Selbstversorgung durch eine Privatkuh in Grenzen zu halten.
Die normale Versorgung wäre allerdings flächendeckend - jede Kuhweide eine Tankstelle.
Gut, die müssten natürlich bewacht werden, aber das bietet ja auch wieder Möglichkeiten für den Arbeitsmarkt.

Und was wird dann aus den Tankstellen? Nun, die könnten umrüsten, oder das bleiben, was sie eigentlich schon sind: Supermarkt-Bäckerei-Restaurants. 
Dann aber mit Platz für die Außengastronomie - wenn die Zapfsäulen erstmal weg sind.
So sehr man auch hin und her überlegt, diese Idee hat nicht einen Nachteil – es sei denn man ist von Beruf Scheich. Dann muss man eben trotzig weiter mit dem heimisch abgezapften Öl vorlieb nehmen. 

Wir aber packen die Kuh in den Tank!



Diesen Clip bitte mit glücklichen Kühen vorstellen: